Riskantes Manöver

                  
 

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Nach einem Undercovereinsatz in Afghanistan, der sie beinahe das Leben gekostet hätte, kehrt die TURT/LE-Agentin Kyla Mosley in den Dienst zurück. Doch es fällt ihr schwer, den Mann zu vergessen, der ihr in Afghanistan das Leben gerettet hat – den geheimnisvollen Hamid. Kurz darauf trifft sie ihn wieder, doch Hamid ist nicht, wer er zu sein scheint.



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Kapitel 1

San Diego, Kalifornien

Kyla schreckte hoch, als sich eine Hand auf ihre Hüfte legte. Ein harter Männerkörper presste sich an ihren Rücken und löste eine Wärme in ihr aus, die sie lange nicht gespürt hatte. In dem Zwielicht konnte sie kaum etwas erkennen, aber sie war zu müde, um sich zu fragen, wer der Mann war. Eine seltsame Stille herrschte, als wäre jedes Geräusch durch eine dicke Watteschicht gedämpft. Mühsam versuchte sie, sich zu dem Mann umzudrehen, aber ihre Muskeln gehorchten ihr nicht. Sie konnte einfach nur daliegen und den tiefen Atemzügen lauschen, die hinter ihr erklangen. Oder war es ein Echo ihrer eigenen Atemgeräusche? Die Augen fielen ihr wieder zu, und sie hatte Mühe, wach zu bleiben. Was war nur mit ihr los? Der Mann neben ihr bewegte sich, die Hand auf ihrer Hüfte verschwand. Ein Protestlaut blieb in ihrer Kehle stecken, als sich seine Hand stattdessen unter ihren Kopf schob. Seine Finger strichen leicht über ihre Wange.
    Kyla blinzelte, doch ihre Sicht blieb seltsam verschwommen. Unruhe machte sich in ihr breit, aber seltsamerweise fühlte sie keinerlei Angst. Nur … Verwirrung und ein vages Gefühl von Enttäuschung. Der Mann beugte sich über sie, und plötzlich erkannte sie ihn: Hamid. Freude stieg in ihr auf, dass sie ihn doch noch einmal wiedersah. Kyla drehte sich auf den Rücken, damit sie ihn besser sehen konnte. Sie wollte ihm sagen, wie sehr sie ihn vermisst hatte, aber ihre Stimme gehorchte ihr nicht. Seine dunklen Augen bohrten sich in ihre, während sein Gesicht ihr immer näher kam. Sanft berührten seine Lippen die ihren. Er sagte etwas, doch sie konnte seine Worte nicht hören, denn ein immer lauteres Rauschen verschluckte jeden Ton. Was zum Teufel war das? Kyla versuchte ihren Arm zu heben, um Hamid zu berühren, doch ihr fehlte die Kraft dazu. Unter ihrer Handfläche konnte sie den heißen Sand spüren, und sie grub ihre Finger hinein.
    Dann richtete er sich ganz auf, und seine Hände lösten sich von ihr. Verzweiflung kam in ihr auf, als sie es nicht schaffte, ihn festzuhalten. Seine Gesichtszüge verschwammen vor ihren Augen, und er verschwand. Nein! Erleichtert atmete sie auf, als er zu ihr zurückkam. Er lehnte sich wieder über sie, und Kyla erstarrte. Es war nicht Hamids schmales Gesicht, das ihr entgegenblickte, sondern Khalawihiris verhasste Visage. Adrenalin schoss durch ihren Körper, dicht gefolgt von Furcht. Wie kam der Verbrecher hierher? Er war doch längst gestellt und in die USA gebracht worden. Khalawihiris Mund verzog sich zu einem teuflischen Grinsen, das ihr einen Schauer über den Rücken trieb. Immer dichter beugte er sich über sie, während Kyla verzweifelt gegen die unsichtbaren Fesseln ankämpfte, die sie festhielten. Direkt über ihr öffnete er seinen Mund, und Kyla stieß einen verzweifelten Laut aus. Sie schaffte es nicht einmal sich wegzudrehen, als der Kopf des Verbrechers sich zu Sand verwandelte und auf sie niederprasselte. Überallhin rieselten die Körner, in ihren Mund, ihre Nase, ihre Augen, bis sie vollständig damit bedeckt war. Panisch versuchte sie sich zu befreien, doch noch immer konnte sie sich nicht rühren. Sie wurde lebendig begraben. Es fiel ihr immer schwerer, Luft zu holen, bis ihr Atem schließlich ganz stockte.


Mit einem atemlosen Schrei schoss Kyla in die Höhe und blickte wild um sich. Das Herz hämmerte in ihrer Brust, die schweißnassen Hände waren in die Bettdecke gekrallt. Sie zitterte am ganzen Körper und rang nach Atem, als wäre sie gerade einen Marathon gelaufen. Es dauerte einen Moment, bis sie erkannte, dass es nur ein Albtraum gewesen war und sie sich in ihrer Wohnung in San Diego befand. Rasch beugte sie sich vor und schaltete die Nachttischlampe an. Ein schwacher Lichtschein erhellte ihr Bett, doch die restliche Umgebung blieb dunkel.
Schatten schienen sich zu bewegen und näher zu rücken, und sie griff automatisch nach ihrer Waffe, die sie seit den Ereignissen in Afghanistan immer in Reichweite hielt. Auch als Polizistin einer SWAT-Einheit in New York hatte sie viel erlebt, doch
nichts davon hatte diese tief sitzende Angst in ihr ausgelöst, die sie in letzter Zeit immer wieder überfiel. Tagsüber ging es, weil sie da beschäftigt war, doch nachts quälten sie immer wieder Albträume.
    Kyla rieb mit der Hand über ihr feuchtes Gesicht und versuchte sich zu erinnern, worum es diesmal ging. Ihr Herz zog sich schmerzhaft zusammen, als sie sich an den Anfang des Traums erinnerte. Die Situation entsprang eindeutig der Realität: Sie hatte sich tatsächlich während eines Sandsturms mit Hamid hinter einem Felsen in Sicherheit gebracht. Er hatte sie gehalten und beschützt – doch dann hatte er ihr das mit einem Betäubungsmittel versetzte Wasser zu trinken gegeben.
Der sanfte Kuss, fast nur ein Hauch, den er ihr zum Abschied gegeben hatte, ließ sie immer noch nicht zur Ruhe kommen. Und sie konnte nicht einmal sagen, warum. Sie wusste nichts über ihren Retter, und sie würde ihn nie wiedersehen. Zudem hatte er sie die ganze Zeit getäuscht und so getan, als würde er selbst zu den Verbrechern gehören und wollte Kyla an sie ausliefern. Sie sollte ihn also hassen, doch dummerweise tat sie das nicht. Stattdessen wünschte sie sich, ihm noch einmal gegenüberzustehen und herauszufinden, was genau zwischen ihnen geschehen war.
    Energisch schob Kyla ihre Beine aus dem Bett und stand auf. Es war zwar noch etwas früh, aber ihr Wecker würde in einer halben Stunde klingeln, und sie würde jetzt sowieso kein Auge mehr zutun. Barfuß durchquerte sie den Raum und trat ins angeschlossene Badezimmer. Die Pistole legte sie auf die Ablage und stützte ihre Hände auf den Rand des Waschbeckens. Ihre langen blonden Haare hingen in zerzausten, feuchten Strähnen um ihr Gesicht. Wenigstens waren die Augenringe durch ihre noch leicht gebräunte Haut kaum zu sehen. Dafür war ihre Anspannung
deutlich zu erkennen. Und die Furcht davor, langsam durchzudrehen.
    Mit einem rauen Laut zog sie sich das Nachthemd über den Kopf und warf es frustriert zur Seite. Sofort glitt ihr Blick zu der Narbe an ihrer Schulter, wo die Kugel eines Terroristen ihren Körper durchschlagen hatte. Es war kaum mehr etwas davon zu sehen, nur leicht gerötete und kaum vernarbte Stellen an der Ein- und Austrittswunde, wo Hamid sie zusammengenäht hatte. Ansonsten litt sie unter keinerlei Nachwirkungen der Verletzung, wenn überhaupt, war sie dank des vielen Trainings jetzt fitter und kräftiger als davor, weil sie ihren Körper in jeder freien Sekunde an seine Belastungsgrenze brachte. Über die Gründe dafür wollte sie nicht nachdenken. Tatsache war: Sie hätte längst wieder als Undercover-Agentin eingesetzt werden können, aber Daniel Hawk, ihr Vorgesetzter beim TURT/LE-Programm – Terrorism Undercover Reconaissance Team / Ladies Elite –, gab ihr keinen neuen Auftrag. Entweder weil er sie für nicht mehr fähig hielt, oder weil er sich nicht traute, sie noch einmal der Gefahr auszusetzen. Beides war für sie nicht
akzeptabel. Zwar hatte sie ihre Aufgaben, wie die Teilnahme an Übungen und Unterrichtsstunden, sie half beim körperlichen Training der neuen Rekruten und anderen Agenten und gab Schießunterricht, doch das war nicht das Gleiche, wie sich auf eine Mission vorzubereiten und sie dann auch durchzuführen.
    Sie konnte jedoch nachvollziehen, dass ihre Partnerin Jade auch vier Monate nach ihrer Gefangenschaft in der Festung des afghanischen Warlords Mogadir noch nicht wieder dienstfähig war. Schließlich war sie dort tagelang gefoltert worden, bevor die SEALs sie gerettet hatten. Ihr Magen zog sich zusammen, als sie sich daran erinnerte, wie Jade nach der Tortur ausgesehen hatte. Vor allem die Scham und Trostlosigkeit in ihren Augen hatten Kyla tief getroffen. Sie selbst hatte dagegen nur einen glatten Schulterdurchschuss davongetragen, der nach einem Monat restlos verheilt war.
    Doch diese Gedanken führten zu nichts, solange Hawk der Meinung war, sie müsse geschont werden. Deshalb schob Kyla ihre Sorgen beiseite und stieg unter die Dusche. Nach einer langen Weile unter dem heißen Strahl fühlte sie sich halbwegs gewappnet, dem Tag zu begegnen. Egal wie, sie würde Hawk dazu bringen, sie wieder in den Einsatz zu schicken. Zur Not würde sie kündigen und zu ihrer Arbeit als Scharfschützin im SWAT-Team bei der New Yorker Polizei zurückkehren. Auch wenn sie die TURT/LEs vermissen würde, es war die einzige Möglichkeit, nicht langsam verrückt zu werden.



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